9. November - Schicksalstag der Deutschen
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Am Freitag jährt sich ein ganz besonderer Gedenktag – im Positiven, wie im Negativen. In jedem Fall aber ein Tag, an dem wir Deutschen unserer wechselhaften Geschichte gedenken. In diesem Jahr ganz besonders, denn drei Schlüsseldaten erleben runde Jubiläen. Mit der Novemberrevolution vor genau einhundert Jahren stürzte nach verlorenem Weltkrieg der letzte deutsche Kaiser und damit die monarchische Tradition. Die Deutschen entschieden sich stattdessen zum ersten Mal, in einem demokratisch strukturierten Staatswesen zusammenzuleben. Viele Menschen verbanden mit der neuen Ordnung die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand.

Dass diese Vision nicht alle Menschen teilten, wurde spätestens am 9. November 1923 schmerzlich bewusst, als Ludendorff und Hitler in München einen Putschversuch gegen die gewählte Regierung unternahmen. Auch wenn der Coup an der Feldherrenhalle kläglich scheiterte, so machte er doch bewusst, wie verletzlich Freiheit und Demokratie bleiben, wenn sie nicht entschlossen verteidigt werden. Auch diese Einsicht gilt es wachzuhalten – gerade am deutschen Schicksalstag.

Auch dafür, wozu Überlegenheitsdenken, totalitäre Ideologie und nationale Verblendung führen, steht der 9. November wie kaum ein anderes Datum. Vor genau 80 Tagen zündeten SA, SS und zahlreiche Unterstützer in einer konzertierten Aktion im ganzen Land jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen an und leiteten damit die staatlich organisierte Judenverfolgung im Dritten Reich ein, die schließlich im Holocaust endete. Vor allem deshalb ist der 9. November bis heute ein Tag, an dem wir uns gemeinsam zu einem friedvollen, menschlichen Zusammenleben bekennen wollen.

Gleichzeitig steht das Datum für einen der glücklichsten Momente in der deutschen Geschichte. Vor 29 Jahren waren es mutige Menschen im Osten, die mit ihrem unbeugsamen Freiheitswillen die Mauer zum Einsturz brachten, die 28 Jahre lang Ost und West getrennt hatte. Als Folge musste das Regime der Unfreiheit abdanken und den Weg für die Deutsche Einheit freigeben. Dass sich persönlicher Mut, Einsatzbereitschaft und der Glaube an Verbesserung auszahlen, können wir von diesen Menschen lernen.

Der 9. November – er steht also in vielerlei Hinsicht für unsere Geschichte, für unsere Identität. Nur wenn wir sie kennen und ihrer gedenken, wissen wir, wer wir sind und wohin wir wollen. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, sagte Wilhelm von Humboldt. Gerade weil die Zukunft in unseren Tagen – und das ganz besonders in unserer Stadt – einen so bedeutenden Platz in den Gegenwartsdebatten spielt, sollten wir unsere Wurzeln, unsere historische Verantwortung und unsere daraus erwachsenden Perspektiven kennen. Der 9. November bietet dazu eine gute Gelegenheit.

In diesem Bewusstsein begeht die Jenaer CDU den deutschen Schicksalstag auch in diesem Jahr ganz bewusst – in Demut und stillem Gedenken, aber auch in Freude und mutiger Entschlossenheit.